Einführung


Konstanzphänomene beschreiben Erscheinungen, bei denen unterschiedliche Abbildungen auf der Netzhaut qualitativ gleichwertige Wahrnehmungserlebnisse bewirken, bei denen also unterschiedliche physikalische Sinnesreize kontextabhängig identisch interpretiert werden.

Sie gewährleisten, dass der Mensch seine Umwelt auch unter wechselnden Umständen als gleich bleibend wahrnehmen kann.
   




Helligkeitskonstanz

 
   
Objekte werden in verschiedenen Lichtsituationen in ihrer Helligkeit immer gleich wahrgenommen.

So interpretieren wir auch bei schwacher Beleuchtung eine weisse Fläche als weiss, obwohl sie objektiv wesentlich weniger Licht reflektiert.

Die Helligkeitskonstanz macht die Wahrnehmung weitgehend unabhängig von situativ unterschiedlichen Lichtintensitäten.

Allerdings ist die Helligkeitsempfindung einer Fläche oder eines Gegenstands stets abhängig von umgebenden Elementen (siehe Abbildung rechts).
  Helligkeitskonstanz

Die Flächen A und B haben die selbe Helligkeit, werden aber unterschiedlich hell empfunden
Beweis




Farbkonstanz

 
   
Die Farbkonstanz sorgt dafür, dass wir einem Objekt auch in unterschiedlich farbigen Lichtsituationen dieselbe typische Farbe zuordnen.

Eigentlich müsste sich die wahrgenommene Farbe eines Objekts unter wechselnden Lichtsituationen (z. B. bei Morgendämmerung, Mittagssonne, Abendrot) verändern. Trotzdem erscheint seine Farbe in weiten Bereichen einheitlich.
  Farbkonstanz
Farbkonstanz
Da wir wissen, dass die Hauswände weiß sind, »sehen« wir das Weiß auch in deutlich unterschiedlichen Lichtsituationen.
     
Übrigens: Die Netzhaut des Auges reagiert empfindlicher auf Helligkeit als auf Farbe.

Dies reflektiert vereinfachend das Sprichwort »Nachts sind alle Katzen grau«, denn bei Dunkelheit können wir keine Farben differenzieren.
  Farbkonstanz




Größenkonstanz

 
   
Die wahrgenommene Größe eines Objekts bleibt konstant, obwohl sich die Größe seiner Projektion auf der Netzhaut des Auges in Abhängigkeit von der Entfernung ändert.

Ein Erklärungsansatz bezieht sich auf die Konstanz der Größenverhältnisse innerhalb des visuellen Feldes, wobei das durch die Netzhaut aufgenommene Bild maßstäblich in das Wahrnehmungsfeld eingeordnet wird.

Ein weiterer Erklärungsansatz besagt, dass die Größenwahrnehmung durch den Vergleich der Netzhautprojektion mit der wahrgenommenen Objektentfernung erfolgt.
  Größenkonstanz


Sehen wir unterschiedlich große Bäume nebeneinander oder gleichgroße, die hintereinander stehen?




Formkonstanz

 
   
Objekte behalten normalerweise ihre Form. Formen werden als konstant wahrgenommen, obwohl das Netzhautbild bei unterschiedlichen Betrachtungswinkeln stark differiert. Die Formwahrnehmung stützt sich also nicht allein auf die Formmerkmale des Netzhautbildes.

Um die Form eines Objektes relativ unabhängig vom Netzhautbild wahrnehmen zu können, müssen Informationen über dessen relative räumliche Lage zum Betrachter in die Auswertung einbezogen werden. Bei Bewegungen von Objekt oder Betrachter wird die Formkonstanz in der zeitlichen Dimension fortgeführt.
  Formkonstanz


Zwei gleiche Objekte
Beweis
     



 
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